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Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg


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Nachruf auf einen großen König

 

Zwei Monate im Jahr darf ich mich ausschließlich der Übersetzung verschiedener Bücher des Alten Testamentes in die Sprache der Jalis von Westpapua widmen. Bei ihnen habe ich lange Jahre gelebt. Sie haben mich dazu gedrängt, mit ihnen gemeinsam die Bibel in ihre Sprache zu übertragen. Zwei Monate ohne Telefon, e-Mails, ohne Ablenkung durch andere Aufgaben, Wort um Wort, Seite um Seite, 12, 13, 14 Stunden am Tag. Zu übersetzen habe ich unter anderem auch selten gelesene Texte, mit vielen Fundstücken, mancher Perle und manchem Knochen, der zu nagen gibt.

Neulich stieß ich zum Beispiel auf den Nachruf für den israelitischen König Manasse in 2. Chronik 33: Ein abscheulicher Kerl, der alle "gräulichen Sitten der Heiden", die sein Vater Hiskia abgeschafft hatte, wieder einführte, indem er z.B. die eigenen Söhne fremden Göttern zum Wohlgeruch in Rauch aufgehen ließ. Zur Strafe für seine Gräueltaten ließ Gott ihn in Fesseln legen und ins Exil nach Babel abtransportieren. Dann aber, so erzählt der biblische Chronist, geschah das Größte, was in diesen Jahrhunderten überhaupt jemals über einen der Könige Israels gesagt worden ist: "Er erniedrigte sich vor dem Gott seiner Väter ... und erkannte, dass der Herr der wahre Gott ist." Erschüttert von der Größe dieses Augenblicks weiß der Erzähler über das Leben und Wirken von Manasses Sohn, der ihm auf dem Thron folgte, kaum etwas anderes zu berichten, als dass "er sich nicht erniedrigte wie sein Vater." So ragt dieser eine Moment über alles andere, was in diesen Jahrzehnten geschah und geleistet wurde, in seiner seltsamen Größe hinaus.

Warum die Zuspitzung eines ganzen Lebens, ja des Lebens ganzer Generationen auf diesen Moment, in dem ein Großer in die Knie gegangen ist? Warum wittert der biblische Schriftsteller gerade hier das, was Menschen noch nach Jahrtausenden angehen soll?

Weil König Manasses in-die-Knie-Gehen an das einzige erinnert, was wirklich groß in unserem Leben ist. Weil er uns davor bewahren will, vor den falschen Dingen in die Knie zu gehen. Um uns davor zu schützen, dass wir uns zu kleine Ziele setzen, zu der Kärglichkeit einer Existenz schrumpfen, die vielleicht nicht mehr sucht als ihr privates Glück und daran zerbricht, wenn sie es nicht findet. Um die Sehnsucht wach zu halten nach mehr, nach einer Hoffnung, die auch langer Nacht stand hält, nach Liebe, die nicht aufgibt und nicht los lässt, nach Gerechtigkeit für jeden und Frieden, der nicht mehr gefährdet wird durch maßloses Glücklichseinwollen der einzelnen. Ohne solche Sehnsucht wird Leben jämmerlich und ein Volk verwahrlost. Das hat der Chronist erlebt - und deshalb hält er den Kniefall des Großen vor Gott fest - als Verlockung zu einem Leben in Glaube, Liebe und Hoffnung - und bitte nicht weniger!

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Pfr. Friedrich Tometten

Ev. Kirchengemeinde Meinerzhagen


WÖCHENTLICHE ANDACHT

Andacht zum Sonnatg von Pfr. i.R. Rüdiger Schmale, Werdohl

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